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Farbpigmente aus den Ockerbrüchen der Provence
Im Departement Vaucluse befinden sich in der Nähe von Apt und Roussillon die weltberühmten Ockerbrüche.
Schon die alten Römer hatten die Ockervorkommen genutzt. Nach dem Untergang des römischen Reiches geriet dieser Industriezweig in Vergessenheit bis sie im Jahre 1780 von einem Ortsansässigen fast zufällig wieder entdeckt wurde, weil es feststellte, dass man mit dieser gelben und roten Farbe einen dauerhaften Anstrich von sehr schöner Farbe herstellen konnte. Der Ocker wurde zum wichtigsten Wirtschaftszweig für die gesamte Region.
Wenn Sie nun denken – „Oh, fein. Da fahre ich vorbei und hole mir ein Kindereimerchen voll für meine Badezimmerwände“, dann müssen wir Sie leider enttäuschen.
Bis Sie das Pulver in den Händen halten, das sich so dekorativ auf Wände, Fliesen und Decken auftragen lässt, muss gewaschen, gefiltert, getrocknet und gebrannt werden. Seit jeher wurde der Ocker in Windmühlen gemahlen. Der ockerhaltige Sand wurde sowohl im Tagebau als auch im Stollen abgebaut. Seit jeher erfolgt die Gewinnung des Ockers auf dieselbe Weise.
Auch wenn Maschinen die Arbeit inzwischen um einiges erleichtert haben mussten zunächst Bäume gefällt, Mutterboden, Sandstein und Eisenoxyd abgetragen werden um an den kostbaren Sand zu kommen. Mit Wasser in Klärbecken geleitet, setzte sich der gröbere Sand am Boden ab, während der leichtere Ocker durch verschiedene Filter weiter floss, in denen die letzten Sandkörner zurückgehalten wurden. In einem Becken angekommen, sammelte sich das mit Ocker vermengte Wasser. Über Nacht setzte sich der Ocker am Boden ab und nach und nach wurde immer mehr Wasser abgeschöpft bis fast nur noch Ocker übrig blieb. Das Restwasser wurde von der Sonne und vom Wind herausgetrocknet, was trotz größter Glühkraft der berühmten provençalischen Sonne den ganzen Sommer dauerte.
Dann wurde der getrocknete Sand in Stücke geschnitten, die in der Mühle gemahlen und gesiebt wurden. So erhielt man das feine Pulver. Es gab Mühlen für roten Ocker und Mühlen für gelben Ocker. Der rote Ocker fiel in seinen Farben nicht immer wunschgemäß aus. So veränderte man den gelben Ocker indem man ihn über Holzfeuer brannte. Durch die unterschiedlich hohen Brenntemperaturen erhielt man so unterschiedliche Rottöne. Durch das Mischen von Ockergrundtönen erhält man heute viele verschiedene Farben.
In diesem „Colorado der Provence“, wie diese Gegend auch genannt wird, befindet sich die Firma CHAUVIN, die seit 1890 Ocker verarbeitet. Bis heute ist das Haus in Familienhand. Neben einem breiten Spektrum an Farbpigmenten gibt es farblose Anstriche für Wände, Decken und Holz (Fenster, Möbel) die mit den Farbpigmenten individuell koloriert werden können.
Auf den nächsten Seiten erhalten Sie einige Farbbeispiele für die Vielfalt der Farbpigmente aus den Ockerbrüchen.